Teil 4: Bolivien, Salzwüsten MESZ
- 6 Stunden,
1 EUR = 12,37 Bolivianos
Samstag, 29. August 26, Tag 13: Salar de Uyuni, 3.670 m
Wir Aufstehen um halb fünf ist bitter, weil wir wegen des Krachs auf unserer Etage lange nicht einschlafen konnten. Wir fliegen gut eine Stunde von La Paz nach Uyuni. Diesmal gibt es außer braunen Faltenbergen unter uns nichts zu sehen. Blick auf den Salzsee haben nur die, die auf der anderen Seite des Fliegers sitzen. Der Flughafen ist sehr provinziell, keine anderen Flugzeuge sind abgestellt, unser Gepäck kommt nicht am Fließband, sondern wird von Trägern ausgeteilt. Am Ausgang stehen viele Fahrer und halten Taferl mit Namen hoch. Nur einer nicht: unserer. Ich telefoniere mit der Reiseagentur und höre, dass unser Driver-Guide jeden Moment eintreffen wird. Letztendlich sind alle Angekommenen abgeholt, nur wir bleiben über. Als dann doch „unser“ Mann mit einem Landcruiser daherkommt, ist seit der Landung eine Stunde vergangen. Und dann entschuldigt er sich nicht einmal, sondern meint, wir seien zu früh angekommen. Die Stadt Uyuni ist hässlich und staubig und fast menschenleer. Die einzige Sehenswürdigkeit ist der Eisenbahnfriedhof, auf dem ausrangierte Dampflokomotiven vor sich hin rosten. Wir besichtigen noch eine Salzfabrik, von denen es hier viele gibt und in denen das Salz aus dem nahen Salzsee Salar de Uyuni gereinigt, gemahlen und verpackt wird. Nun geht es hinaus aus der Stadt in die Wüste, die bald in den Salzsee übergeht. Jetzt in der Trockenzeit ist er überall befahrbar, es gibt nur wenige Stellen, an denen seichtes Wasser steht. Wir halten kurz an der Stelle, wo 2018 die Rallye Dakar endete. Ein Hotel, das nur aus Salzblöcken errichtet wurde, ist nicht mehr in Betrieb. Kein Wunder, es sieht nicht sehr einladend aus. Lange fährt Alfredo, unser Fahrer, sehr langsam, 30 bis 40, weil das Salz feucht ist und er den Toyota nicht versauen will, erst als die Oberfläche trocken ist, beschleunigt er, sogar einmal auf 80. Der Salzsee ist übrigens nicht ganz winzig, er misst etwa 100 mal 120 Kilometer und liegt auf 3.650 Metern. Es dauert eine halbe Ewigkeit, bis wir die Insel Incahuasi, die wir schon aus -zig Kilometern sehen, erreichen. Die Insel ist etwa einen Kilometer lang und einen halben breit. Sie ist aus einem Korallenriff entstanden und von riesigen Kakteen bewachsen. Während wir uns umsehen und Fotos machen, fährt Alfredo 100 Meter auf den Salzsee hinaus, stellt Tisch, Stühle und Sonnenschirm auf und zaubert auf die Heckklappe des Toyotas ein kleines Buffet. Sogar halbwegs kaltes Bier hat er mit. Nach dem Essen besteigen Alfredo und ich den Inselberg. Die Aussicht ist unglaublich: rundum Salz, in der Ferne schneebedeckte Berge. Wir fahren weiter, immer über Salz, auf den 5.432 Meter hohen Volcano Tunupa zu, an dessen Fuß wir in einem Dorf ein winziges, wenig liebevoll gestaltetes Museum besuchen, in dem man unter anderem sieht, wie eine Quinoapflanze aussieht, deren Körner wir in der letzten Woche oft gegessen haben. Nun fahren wir den Vulkan, dessen Hänge mit Steinmauern in Weideflächen abgeteilt wurden, bis auf 4.000 Meter hinauf. Dort gibt es eine Höhle, in der angeblich 800 Jahre alte Mumien gefunden wurden. Um die Leichname haltbar zu machen, wurden die Eingeweide entfernt und Brust- und Bauchhöhle mit Heu und Kräutern ausgestopft, bevor die Verstorbenen in Embryostellung in der Höhle bestattet wurden. Wir übernachten sehr einfach im Dorf Tahua in einem aus Salzziegeln errichteten Hotel. Im Zimmer gibt es einen Elektroradiator und im Speisesaal einen Kamin in der Mitte des Raumes. Sonst ist alles ungeheizt und bei Tiefsttemperaturen um den Gefrierpunkt ein wenig ungemütlich. Beim Abendessen sitzen wir im Anorak, an ein Bier oder sonstiges kaltes Getränk ist nicht zu denken. Dann schon lieber einen heißen Tee.

Sonntag, 30. August 26, Tag 14: Altiplano
Was es heute zu sehen gab, ist schnell gesagt: Landschaft und Flamingos. Will man mehr Worte gebrauchen, dann Salzseen, Wüste, Berge, Vulkane, Lagunen und noch mehr Flamingos. Nun aber von vorne: Ich habe schlecht geschlafen, hatte wieder Atemaussetzer, wie ich das schon anderswo in großer Höhe erlebt habe, aber eh nicht ganz so schlimm. Beim Frühstück schnaufe ich wie eine Dampflok und Alfredo meint, ich sähe nicht gut aus. Er hat ein Pulsoxymeter mit und misst mir die Sauerstoffsättigung, aber das habe ich natürlich selbst mit meinem schon ein paarmal gemacht. Beide Geräte zeigen das Gleiche, nämlich bei mehrmaligen Messungen an verschiedenen Fingern zufällige Werte zwischen 66 (völlig unglaubwürdig, da läge ich ja im Sterben) und 100 (in einer Höhe von 3.600 Metern auch völlig unmöglich). Wir lachen beide. Zwei Minuten nachdem wir losgefahren sind, biegt er in eine Seitenstraße ein und wir stehen vor dem Primärversorgungszentrum von Tahua. Das hat natürlich am Sonntag geschlossen, aber schon im nächsten Moment kommt die Frau Doktor dahergelaufen. Alfredo hatte kurzerhand die Notrufnummer angerufen. Ich ergebe mich. Die Praxis ist einfach, aber ganz gut ausgestattet. Die Anamnese ist schwierig, weil die Kollegin so gut Englisch spricht wie ich Spanisch. Alfredo übersetzt, aber sein Englisch ist auch sehr begrenzt. Auch das Pulsoxi hier zeigt nichts Verlässliches. Ich krieg zehn Minuten Sauerstoff über die Nasensonde, worauf Puls und Atemfrequenz sofort sinken. Währenddessen nimmt die Frau Doktora meine Daten auf und schreibt die Rechnung. 35 Dollar am Wochenende sind nicht gerade teuer, aber nein, Irrtum! Sie will nicht 35 Dollar, sondern 35 Bolivianos! Das sind 3,60 Euro! Bin echt gespannt, was meine Krankenkasse sagt, wenn ich das einreiche! Spaß bei Seite, es geht mir besser. Etwa zwei Stunden lang. Dann ist alles wieder beim alten. War ja klar, dass das nicht ewig halten kann. Alfredo führt auch eine kleine Sauerstoffflasche im Auto mit, aber die hätte ich wohl auch in längstens ein paar Stunden geleert. Soll sich keiner Sorgen machen, ich habe keine weiteren Anzeichen einer Höhenkrankheit. Wir fahren nochmals über den Salar de Uyuni, bestaunen die Muster in der Oberfläche, halten nochmals an einer Insel und gelangen dann wieder aufs „Festland“. Es geht durch schöne Wüstenlandschaften, Vulkane tauchen auf, einer raucht sogar ein wenig und schließlich erklimmen wir den gut 4.000 Meter hoch gelegenen Altiplano, das Plateau Südboliviens. An mehreren Seen, die hier, warum auch immer, Lagunen genannt werden, sehen wir rosa Flamingos. In einer, der Laguna Hedionda, gibt es tausende! An manchen Stellen stehen sie ganz nahe am Ufer in Gruppen beisammen und sie lassen einen, wenn man sich langsam und gebückt nähert, bis auf zwei Meter heran! Wir übernachten in einer einfachen Lodge an der Lagune und wir können von unserem Zimmer die Flamingos sehen. Nach dem Abendessen füllen wir heute schon online die bolivianischen und die chilenischen Grenzübertrittsformulare aus, weil an der Grenze das Internet oft ausfällt. Also alles doppelt eingeben und immer wieder lange warten, weil zu viel Verkehr über die Starlink-Verbindung des Hotels läuft. Leider geht es jetzt Sabine nicht gut, sie tut sich auch mit dem Atmen schwer, hat Durchfall und erbricht. Höhenkrankheit. Ich habe ihr schon Diamox und Cortison gegeben. Heute müssen wir noch auf 4.200 Metern schlafen, morgen geht es hinunter auf 2.400.
