Teil 3: Bolivien, La Paz MESZ
- 6 Stunden,
1 EUR = 12,37 Bolivianos
Donnerstag, 27. August 26, Tag 11: La Paz, Tag 1, 3.640 m
Obwohl heute nur der kurze Flug von Cusco nach La Paz in Bolivien auf dem Programm steht, haben wir einen total spektakulären Tag: Da ist zunächst der Flug entlang der Anden und über den Titicacasee. Das Flugzeug ist nur schwach besetzt, sodass wir auf beiden Seiten rausfotografieren können. La Paz liegt auf 3.600 Metern, also nur wenig höher als Cusco. Und trotzdem schnaufen wir schon beim Aussteigen aus dem Flieger wie die Walrosse. Als wir in der Schlange vor der Passkontrolle stehen, fällt uns auf, dass wir nicht nur zyanotische Lippen, sondern auch Hände haben. Ein Blick auf den Höhenmesser zeigt uns, warum das so ist. Wir befinden uns auf über 4.000 Metern! Der Flughafen liegt nämlich etwas außerhalb in El Alto auf einem Plateau, während La Paz 400 Meter tiefer liegt, sich aber schon die Hänge hinauf ausgebreitet hat. Auf der Fahrt ins Zentrum fallen die langen Autoschlangen vor den Tankstellen auf; Treibstoff ist knapp. Wir beziehe Quartier in einem richtig schönen, alten Hotel im Kolonialstil mit schöner Terrasse direkt im Zentrum. Im Zimmer liegen Tabletten gegen Höhenkrankheit, an der Rezeption gäbe es Sauerstoff. Wir erkunden die Umgebung, tauschen zunächst ein paar Dollares in Bolivianos (Geldwechsler gibt es mehr als Straßenecken) und gehen ein Häppchen essen. Die Preise auf der Speisekarte sind unglaublich: Während Essen gehen in Peru nur wenig billiger war als zu Hause, gibt man hier nur die Hälfte von dem in Peru aus. Auch Souvenirs sind spottbillig. Wie schade nur, dass kein Platz im Koffer ist, denn es gäbe wirklich tolle Sachen. Wir sehen uns die Kirche San Francisco an, eine sehr schöne, aber düstere Barockkirche. Fotografieren leider verboten. Nun spazieren wir durch den Hexenmarkt, von dem wir eigentlich keine Vorstellungen hatten, was uns da erwartet. Es sind zwei lange Gassen, in denen sich Laden an Laden reiht. Es werden Textilien, Souvenirs und Haushaltsartikel verkauft, dazwischen gibt es die Hexenläden, in denen man Amulette, Heikräuter, verschiedenste Pulver, besondere Steine, Lametta und viel Zeugs, das wir nicht kennen, verkauft, dazu noch getrocknete Vogelgerippe, mumifizierte Vogel- und Lama-Embryos. In den Läden sitzen Frauen (die Hexen), die nach den Angaben der Kunden individuelle Päckchen mit diesen Zutaten herstellen, die dann an heiligen Orten als Opfergaben verbrannt werden, um die Geister zu besänftigen. Brennholz gibt es auch gleich zu kaufen. 95 Prozent der Bolivianer sind übrigens Christen. Morgen werden wir mehr über den Synkretismus erfahren.
Freitag, 28. August 26, Tag 12: La Paz, Tag 2, 3.640 m
Wir beginnen den Tag mit einem Ausflug ins gut zehn Kilometer südöstlich gelegene Mondtal, dessen Sandsteinsäulen (angeblich) an eine Mondlandschaft erinnern. Überhaupt scheint die ganze Stadt auf Sandstein errichtet zu sein. Nach starken Unwettern rutschen immer wieder Hänge mitsamt Häusern ab, auf deren Ruinen dann wieder neue Häuser gebaut werden. Der beste Teil der Stadtrundfahrt ist die Fahrt mit der Seilbahn quer durch La Paz, hinauf nach El Alto und dann hinab ins Zentrum. Die zehn spektakulären Seilbahnlinien wurden ab 2014 von Doppelmayr errichte. Wir schweben über dicht bebaute Hänge, manchmal ganz knapp über Dächern, dann wieder zwischen Häusern. Dazu gibt es noch den Fernblick auf schneebedeckte Berge in mehreren Richtungen. „Mi Teleférico“ ist eines der spektakulärsten städtischen Verkehrssysteme der Welt und man fragt sich, warum das nicht auch andernorts gebaut wird. Wir besichtigen die Plaza Murillo, den Hauptplatz der Stadt, mit Parlament, Präsidentenpalast und Kathedrale. Sehr schön. Weniger schön: geparkte gepanzerte Polizeifahrzeuge und Wasserwerfer, viel Polizei. Zum Abschluss geht es nochmals zum Hexenmarkt, wo uns unsere Reiseführerin ein wenig mehr über die traditionellen Heilmethoden der Hexen erzählt. Von Schmerz oder Kummer geplagte Menschen wählen je nach Art ihres Leidens oder ihrer Wünsche Amulette und Talismane aus, die Heilerinnen legen diese auf ein Papier, streuen passende Heilkräuter darüber, geben bemalte Zuckerstücke oder falsche Dollarscheine dazu, bei Bedarf noch einen Lamaembryo, verschiedenste Größen stehen zur Auswahl, je nach Leidensdruck und Geldbeutel, manche haben schon ein Fell. Aus all dem wird unter Zaubersprüchen ein Päckchen gemacht, das unter Glockengebimmel und weiteren Sprüchen im Rauch von brennenden Holzstücken geschwenkt wird. Das Päckchen nimmt man mit, um es zu Hause oder an einem Opferplatz zu verbrennen. Wo kommen die Embryos her? Die ersten drei Schwangerschaften jeder Lamastute werden als Opfer an die Mutter Erde mittels Gabe eines Tees abgebrochen, erst die folgenden Jungen dürfen leben. Am Abend werden die Leute am Hexenmarkt immer mehr, vor den Läden der besten Hexen bilden sich lange Schlangen. Dazwischen gibt es Wahrsager, die mittels Karten oder Kokablättern in die Zukunft blicken. Und wer Glück und Heilung ganz dringend benötigt, verbrennt seine Opfergaben gleich auf dem Gehsteig.