Teil 2: Peru, Sierra MESZ
- 7 Stunden,
1 EUR = 3,90 Sol
Samstag, 22. August 26, Tag 6: Heiliges Tal, 2.800 m
Um 5:40, drei Stunden vor dem Abflug nach Cusco, verlassen wir das Hotel mit einem bescheidenen Lunchpaket. Anscheinend hat unsere Reiseagentur Premium Tickets gebucht, wir gehen an allen Schlangen vorbei und werden auch auf dem kurzen Flug nach Cusco bevorzugt bewirtet. Wir testen gleich das berühmte, knallgelbe Inca-Kola, das wie Kaugummi aus den 70-ern schmeckt. In Cusco werden wir schon von Karol, unserer Reiseführerin für die nächsten Tage, erwartet. Die Stadt liegt auf 3.400 Metern. Die Straße ins Heilige Tal der Inka führt über einen 3.800 Meter hohen Pass zunächst hinunter nach Pisac. Wir schlendern durch die Gassen und sehen uns den bunten Markt an. Auf der Weiterfahrt erzählt uns Karol, dass sie aus dem nächsten Dorf stammt und fragt, ob wir nicht kurz ihre Familie besuchen wollen, denn ihr Schwiegervater feiert heute seinen 80. Geburtstag und so könnte sie ihm persönlich gratulieren. Wir sagen zu und bald biegen wir zu einem kleinen Restaurant ein, in dessen Garten Tische für etwa 70 Gäste aufgestellt sind. Es sind noch nicht viele Leute da, aber es spielt schon eine Band. Wir werden der Familie vorgestellt und ich bin stolz, dass ich auf Spanisch zum Geburtstag gratulieren und mich entschuldigen kann, kein Geschenk mitzuhaben. Wir stoßen auf den noch sehr rüstigen Jubilar an. In Ollantaytambo sehen wir uns die auf einem Berg gelegenen Inka-Festung an. Beim Aufstieg haben wir ordentlich mit dem Sauerstoffmangel zu kämpfen. Wir übernachten in einem netten Hotel, in dem die Rezeptionisten beige Lodenmäntel tragen. Zum Abendessen probieren wir Alpaka-Medaillons mit Puffweizen. Das Fleisch ist sehr zart. Heute müssen wir noch umpacken, weil wir morgen im Zug nach Machu Picchu nur ein kleines Gepäckstück mit maximal 5 Kilo mitnehmen dürfen.

Sonntag, 23. August 26, Tag 7: Machu Picchu, 2.430 m
Aguas Calientes, der Ort unterhalb von Machu Picchu, ist nicht durch eine Straße erschlossen. Sofern man nicht den viertägigen Inka-Trail wandern möchte, nimmt man den Zug, der für die 40 Kilometer eine Stunde 40 benötigt, also recht gemütlich durch das enge Tal zuckelt. Wir sitzen in einem bequemen Panoramawaggon und fahren durch den Regenwald hinunter nach Aguas Calientes, das auf 2.000 Metern liegt. Wir machen eine kurze Runde durch den hässlichen Ort und essen in einem urigen Lokal sehr gut zu Mittag. Nun geht es zum ersten Höhepunkt der Reise. Ein Bus bringt ins in unzähligen Serpentinen hinauf zu Machu Picchu. Vom Parkplatz müssen wir noch eine halbe Stunde zu Fuß weiter hinaufschnaufen und dann liegen die berühmten Ruinen uns zu Füßen. Welch erhabener Blick! - Im Hotel haben wir heute das Abendessen inkludiert; wir dürfen a la carte drei Gänge bestellen. Besonders erwähnenswert scheinen mir die lachsfarbene, rohe Forelle in Limettenmarinade und Osobuco, eine geschmorte Rinderstelze.
Montag, 24. August 26, Tag 8: Machu Picchu Mountain, 3.112 m
So perfekt gestern das Abendessen war, so übel ist das Frühstück, sowohl von der Auswahl, insbesondere aber vom Service. Es gibt keine Tassen, keine Gläser, zwei von drei Säften sind aus und so weiter. Wir fahren heute noch einmal mit dem Bus hinauf nach Machu Picchu. Ich möchte den 3.112 Meter hohen Machu Picchu Mountain besteigen. Der Berg ist eigentlich nicht schwierig, weil die Inka durchgehend Treppen angelegt haben, aber diese sind echt steil und die Stufen hoch. Zudem wird die Luft natürlich immer dünner und es ist total schwül, weshalb die Tour doch sehr fordernd ist. Mehrmals denke ich ans Umkehren, doch irgendwie geht’s dann doch wieder weiter. Der Ausblick vom Gipfel ist gigantisch: Weit unter mir und winzig klein liegen die Ruinen, rechts und noch weiter unten im Tal Aguas Calientes, dazwischen fährt die Bahn, und links liegt Hidroelectrica, ein Wasserkraftwerk, und daneben ein Dorf. Rundherum gibt es weit höhere Berge als der, auf dem ich stehe, auf den höchsten liegt Schnee. Der Abstieg ist ungewöhnlich anstrengend, weil die Stufen, damit man bei Nässe nicht ausrutscht, so geneigt sind, dass die Ferse immer tiefer aufliegt als der Vorfuß, und das geht voll in die Knie. Ich treffe Sabine in einem Cafe unterhalb der Ruinen, wo sie nach einer neuerlichen Besichtigung der Inkastadt auf mich gewartet hat. Zurück in Aguas Calientes gehen wir essen (ich habe seit dem kleinen Frühstück nur zwei Müsliriegel gegessen) und stellen fest, dass auch billige Lokale beste Küche anbieten, sowohl für den Gaumen, als auch für das Auge. Petersilie allerdings sollte man mögen in Peru. Mit dem Zug geht es zurück nach Ollantaytambo. Während der Fahrt hüpft eine als Teufelin verkleidete Frau durch den Waggon und tanzt mit Passagieren, danach gibt es noch eine Modenschau. Unterwegs hat der Zug ein Gebrechen und wir stehen fast eineinhalb Stunden auf offener Strecke. Am Bahnhof ist dann kein Chauffeur da, obwohl die Reiseagentur uns schon eine Nachricht geschickt hat, dass er auf uns warten wird. Nach ein paar Telefonaten taucht er dann doch auf. In dem Ort gibt es eine Baustelle mit einer ewig langen Umleitung, das haben wir neulich schon gesehen. Aber heute erkennen wir, dass die irgendwie so im Kreis herumführt, dass wir nach gut 20 Minuten holpriger Fahrt wieder am Bahnhof vorbeifahren, nur halt jetzt auf der anderen Seite der Geleise. Als wir dann endlich Asphalt erreicht haben, fährt unser Fahrer so hektisch, als müsste er die Verspätung des Zuges wieder aufholen, und das bei Dunkelheit und schlechten Straßen. Er fährt viel zu schnell um die zahlreichen Kurven, fährt ganz knapp an vorausfahrende Fahrzeuge auf, muss mehrmals Überholvorgänge wegen Gegenverkehr oder einer Kurve abbrechen. In meinem schönsten Spanisch sage ich „langsamer bitte“, woraufhin er wie ausgewechselt nicht mehr überholt und gesunden Abstand hält. Als dann allerdings sein Handy bimmelt und er die empfangene Nachricht lesen möchte, kommt von mir ein scharfes „No, Señor!“ In der Folge kriegt er etliche Anrufe, bei denen er sich nicht mehr traut, ranzugehen. Warum hat der sein Handy nicht mit dem Auto verbunden? Das ist ja ein moderner Minibus. Eigentlich sollten wir gegen 20:30 unser Hotel in Cusco erreichen, aber eineinhalb Stunden Zugverspätung plus eine halbe Stunde Umleitung macht halb elf. Da haben natürlich nicht mehr alle Lokale offen, dennoch finden wir noch eine Futterstelle und so nimmt der Tag ein gutes Ende. Wir können aber lange nicht einschlafen und der Schlaf ist nicht erholsam. Wir sind auf 3.400 Metern.

Dienstag, 25. August 26, Tag 9: Cusco, 3.400 m
Cusco ist uns sehr sympathisch, besonders natürlich die Altstadt. Die Gassen sind so eng, dass es nur Einbahnen gibt, aber die Richtung ist oft nicht angegeben. Autos müssen beim Abbiegen nicht selten reversieren und Gehsteige sind oft nur 20 oder 30 Zentimeter breit. Manche Gassen sind sehr steil. Über der Stadt thront eine weiße Christusstatue. Wir beginnen die Stadtbesichtigung allerdings bei den Inka-Ruinen etwas außerhalb. Zurück in der Stadt sehen wir uns die Kirche mit Kloster Santo Domingo an, die auf den Überresten der Inka-Stätte Qorikancha errichtet wurde, die noch gut zu sehen sind. Das Highlight allerdings ist der lebendige Hauptplatz mit der prunkvollen Kathedrale, in der man leider nicht fotografieren darf und einer weiteren Kirche. Rings um den Platz gibt es im ersten Stock Cafes und Restaurants mit herrlichen Blick auf den Platz.

Mittwoch, 26. August 26, Tag 10: Regenbogenberg (Palcoyo), Bosque de Piedras, 5.006 m
Schon um 5:30 werden wir zum Ausflug zum Regenbogenberg abgeholt. Eine Stunde später würde die Fahrt eine Stunde länger dauern, denn dann ist die ganze Stadt ein einziger Stau. Unser Ziel liegt etwa 140 Kilometer südöstlich von Cusco, jetzt in der Früh eine Fahrt von gut drei Stunden. Es geht, wie könnte es in den Anden anders sein, ständig durch Täler. Die meisten Felder neben dem Fluss sind abgeerntet, es gibt Eukalyptuswälder. Die Strasse steigt stetig an, die Vegetation wird ärmer, Lamas und vor allem Alpakas grasen. Die Erde ist bläulichrot, gelegentlich grün. Von einem Parkplatz auf 4.700 Metern wandern wir hinauf auf einen Bergrücken und haben dabei stets Blick auf die vielfarbigen Berge rundherum, deren verschiedene Gesteinsschichten Streifen in rot, braun, grün, ocker und weiß bilden. Fantastisch! Als wir den Aussichtspunkt auf dem Bergrücken erreichen, sind wir völlig überrascht von dem jenseitigen Bergpanorama: Der Blick auf den gletscherbedeckten Sechstausender Ausangate ist so unerwartet wie atemberaubend. Während Sabine mit unserer Reiseführerin langsam wieder den Rückweg antritt, besteige ich den 5.006 m hohen Bosque de Piedras, technisch leicht, aber atemraubend. Auf der Rückfahrt sehen wir uns in Checacupe das Ensemble dreier verschieden alter Brücken an und schauen eine Weile den Volkstänzen bei einem Fest auf den Hauptplatz zu.