Teil 1: Peru, Costa MESZ
- 5 Stunden,
1 EUR = 3,90 Sol
6. August 26, Tag -11: Planänderung
Unsere Reiseagentur informiert uns, dass nach dem tragischen Absturz eines Flugzeuges mit 13 Toten vor einigen Tagen keine Rundflüge über die Nazca-Linien mehr durchgeführt werden. Wie schade! Die Nazca-Linien von oben zu sehen wäre eines der Highlights der Reise gewesen. Wir entscheiden uns für den Besuch des Paracas Nationalparks als Alternativprogramm.

Montag, 17. August 26, Tag 1: Wien
Mit Weil sich Um-5-Uhr-früh-am-Flughafen-Wien-sein nicht mit Öffi-Fahren ausgeht und Aufstehen um kurz nach eins voll ungemütlich ist, wollen wir schon am Vorabend fahren und in einem Hotel am Flughafen übernachten. Bus und Bahn benötigen 2 Stunden und 38 Minuten, das ginge sich mit dem Auto niemals aus. Als es Zeit ist, zum Bus zu gehen, schüttet es aus vollen Rohren und ich muss Sabine samt unserem Gepäck mit dem Auto die paar Meter zur Bushaltestelle fahren. Ich bringe das Auto zurück und komme zu Fuß und mit Schirm nach.
Dienstag, 18. August 26, Tag 2: Amsterdam - Lima
Auf der brettharten Matratze und auf dem viel zu dicken Polster haben wir schlecht geschlafen. Es hat aufgehört zu regnen. Wie in Trance gehen wir hinüber zum Flughafen. Mit KLM geht es nach Amsterdam, wo es aus tiefliegenden, weißen Wolken regnet. Der Flug hat 10 Minuten Verspätung, wodurch nur mehr 30 Minuten Zeit bleiben, bis das Gate des Anschlussfluges geschlossen wird. Und 28 Minuten Fußweg liegen vor uns, sagt die KLM-App, denn wir müssen in ein anderes Terminal. Wir beeilen uns maximal, aber da ist noch die Passkontrolle, vor der eine unglaubliche Menschenmenge ansteht. Sabine drängt sich zwischen den Schlangen durch, ich ihr nach, dann doch kurzes Warten vor einem Pass-Kontroll-Automaten und schließlich kommen wir noch knapp rechtzeitig am Gate an. Jetzt ist genug Zeit zur Erholung von unserem Sprint: Der Flug nach Lima dauert zwölfeinhalb Stunden. KLM verwöhnt uns mit drei sehr guten Mahleiten, quält uns aber mit extrem tiefen, arktischen Polartemperaturen. Auch mit zwei Decken ist es kaum auszuhalten. Die Crew ist freundlich und verspricht, die Temperatur anzuheben, aber es fleibt frostig. Während ich gerade in den Mittagschlaf gleite, kommt die berühmte Durchsage aus den Lautsprechern, ob denn ein Arzt an Bord sei. Ein älterer Herr hat Bauchkoliken und etwas Fieber. Man glaubt ja gar nicht, wie viele junge Ärzte nicht in der Arbeit sind, sondern zwischen den Kontinenten herumfliegen: Es sind zumindest fünf Doktoren an Bord, von denen auch eine die Sprache des Patienten spricht. Der Kollegin lasse ich gern den Vortritt. Darauf, dem Piloten möglicherweise eine Zwischenlandung auf den Jungferninseln empfehlen zu müssen, bin ich eh nicht scharf. In Lima ist es sonnig bei 24 Grad, aber sehr windig. Unser Hotel liegt im Stadtteil Miraflores, durch den wir, nachdem wir unser Zimmer bezogen haben, einen ausgedehnten Spaziergang machen. Im Kennedy-Park gibt es Unmengen von Katzen, die von den Leuten gefüttert und gestreichelt werden. Unzählige Futterschüsserl stehen herum, es gibt sogar Katzenhäuser. Eine Frau schenkt uns ein Sackerl mit Katzenleckerlis, damit auch wir die Katzen füttern können. Die Stadt fällt zum Pazifik hin steil ab, unten am Meer ist nur Platz für eine Straße und ein wenig Strand. Vom Love-Park – benannt nach einer überlebensgroßen Skulptur eines Liebespaares – hat man einen tollen Blick hinunter aufs Meer. Auf dem Rückweg ins Hotel machen wir uns mit der peruanischen Küche bekannt: Wir essen Lomo Saltado (in Sojasauce eingelegtes Rindfleisch) und eine Causa con pulpa (ein kalt serviertes Kartoffeltörtchen). Auf der Dachterrasse unseres Hotels nehmen wir noch einen Pisco sour.

Mittwoch, 19. August 26, Tag 3: Lima
In der Früh ereignet sich in Lima ein Erdbeben der Stärke 4,8. Während Sabine es deutlich spürt, verschlafe ich es. Ich erwähne es nur, damit alle beruhigt sind, falls es zu Hause in den Nachrichten erwähnt wird. Wir sind wohlauf. Das Frühstücksbuffet im Hotel ist sehr reichhaltig, vor allem was frisches Obst und warme peruanische Speisen wie Tamales und Quinoas betrifft. Heute Vormittag steht die Besichtigung der Altstadt von Lima auf dem Programm. An der Plaza San Martin sehen wir uns das feudale Gran Hotel Bolivar an. Es sind noch nicht viele Leute unterwegs, die Geschäfte sperren erst um 10 auf (haben dafür aber bis 22 Uhr geöffnet). Wir sehen uns die Plaza de Armas, die Kathedrale und ein wunderschönes Kolonialhaus in Privatbesitz an. Den Abschluss bildet der Besuch des Museo Larco, das sich präkolumbianischen Tongefäßen widmet und vor allem Porträtgefäße zeigt. In einem eigenen Raum gibt es eine Sammlung erotischer Keramik zu sehen. Weil wir um halb zwei den Bus nach Paracas erwischen müssen, ist heute keine Zeit für ein Mittagessen, weshalb wir in einer Bäckerei noch reichlich Proviant einkaufen. So reichlich, dass unsere Reiseleiterin das auf der Fahrt zum Busbahnhof unserem Chauffeur erzählen muss! So viel Spanisch versteh‘ ich! So bequem sind wir noch nie Bus gefahren! Es ist wie Business Class im Flieger nur halt langsamer. Es sind nur drei Sitze je Reihe, man kann richtig liegen und jeder (!) kann seinen Platz mit lichtdichten Vorhängen verdunkeln. Und das alles sehr günstig: Knapp 18 Euro p. P. für die 260 km. Wir fahren die Küstenstraße nach Süden: außerhalb Limas nur wenige Siedlungen, rechts der Pazifik, links Wüste. Kein Grün. Viele Militäranlagen. In Paracas sind wir in einem sehr netten Strandresort eingemietet. Es sind nur wenige Gäste hier, es ist schließlich Winter. Wir machen einen ausgiebigen Spaziergang durch die Anlage und dann den Strand entlang bis in den Ort Paracas. In einem netten Lokal essen wir zu Abend, sind dann aber zu müde, um zu Fuß zurückzugehen. Ein Uber ist nicht verfügbar, also bitten wir den Wirt, uns ein Taxi zu rufen. Er meint aber, das würde zu lange dauern, und fährt uns selbst gegen ein geringes Entgelt zurück zum Resort. Hier genehmigen wir uns noch einen Schlaftrunk in der Seemannsbar.

Donnerstag, 20. August 26, Tag 4: Ballestas Islands, Paracas Nationalpark
Wir machen einen vormittäglichen Bootsausflug zu den Ballestas-Inseln, die etwa zehn Kilometer vor der Küste im Pazifik liegen und unzählige Vogelarten beherbergen. Auf dem Weg dorthin passieren wir den auf der Halbinsel Paracas gelegenen Candelabro de Paracas, eine riesige, an einen Kerzenleuchter erinnernde, in einen sandigen Abhang eingeritzte, über 2.000 Jahre alte Figur. Die kleinen Ballestas-Inseln (die größte misst etwa 300 mal 200 Meter) ragen 30 bis 40 Meter aus dem Meer, sind unbewohnt, unbewachsen und sind eigentlich nur großteils von Vogelkot bedeckte Felsen, auf denen hunderttausende Vögel leben, vor allem Seeschwalben, Möwen, Kormorane und Tölpel. Wir sehen aber auch Austernfischer, Pelikane und einige Humboldt-Pinguine, die gut einen halben Meter groß sind. Vereinzelt sonnen sich Seelöwen und auf der Rückfahrt gibt es etliche Delfine zu sehen. Ein sehr schöner Ausflug! Vor dem Mittagessen ist noch Zeit für eine Stunde im und am Pool. Während einer kurzen Siesta erleben wir schon wieder ein Erdbeben, diesmal heftiger und länger als vorgestern.

Am Nachmittag machen wir einen Ausflug in den Paracas Nationalpark: Wüste und Küste. Der Nationalpark ist wenig spektakulär, 3.000 Quadratkilometer Stein/Sandwüste und Meeresbrandung. Unser Guide tut sich ein wenig schwer, Highlights aufzuzählen. Er zeigt in die Ferne und meint, da wär ein Flamingo, einmal findet er eine fossile Schnecke, wir fahren verschiedene Aussichtspunkte an und an einem Strand liegen löchrige Steine herum. Das soll jetzt aber nicht negativ klingen, als Wüstenliebhaber gefällt uns die Gegend eh. Aber es ist halt nichts Besonderes. Schon interessanten finden wir die Sammlung alter, deformierter und trepanierter Schädel im Textilkunst-Museum in Paracas, wo man in einem eindrucksvolles Video auch sieht, wie die alten Peruaner ihre Toten bestattet haben (siehe unten). Nach dem etwas fetten Abendessen setzen wir uns zur Förderung der Verdauung noch kurz in die Bar. Meinen Old Fashioned bereitet der Barkeeper unter Zuhilfenahme eines Bunsenbrenners zu und spart echt nicht mit Whisky. Als ich das Glas schon zu drei Viertel geleert habe, bringt er mir entschuldigend noch einen. Im ersten hatte er eine Zutat vergessen. Welch Zumutung!
