Nordjordanien

Donnerstag, 16. Jänner 14, Tag 1: Amman

Via Wien-Schwechat fliegen wir nach Amman, wo auf dem Queen Alia Airport unser Mietwagen, ein Landcruiser mit Automatik, wartet. Obwohl gleich neben dem Flughafen liegend, ist die Zufahrtsstraße zum Wüstenschloss Qasr el Mushatta nur schwer zu finden. Auch wenn nur mehr ein kleinerer Teil des Bauwerkes erhalten ist, kann man sich halbwegs vorstellen, wie die Anlage ausgesehen haben mag. Empfanden wir es vor dem Flughafengebäude eben noch angenehm warm, weht uns hier ein kalter Wind um die Ohren. Ebenfalls schwer zu finden ist die Zufahrt zu unserem Hotel, weil es inmitten eines Dreiecks von Straßen liegt, an denen man nicht links abbiegen kann. Und wie wir auch fahren, das Hotel liegt immer links. Unser Appartement bietet auf gut 90 Quadratmetern zwei Schlafzimmer, zwei Bäder, Wohnzimmer und Küche. Wir halten uns aber nicht lange auf, denn wir sind hungrig und machen uns auf die Suche nach einem Restaurant. Wir finden auf die Schnelle aber nur ein Fastfood-Lokal, wo wir jordanische Kebabs essen, das sind mit Fleisch, Salat und Tomaten gefüllte, eigenwillig gewürzte und in Scheiben geschnittene Fladenrollen, die mit wiederum eigenwillig gewürzten Pommes frites und Sauergemüse serviert werden und kaum an die bei uns bekannten türkischen Kebabs erinnern. Im Hotel haben wir es leider nicht gemütlich, denn es wird nicht warm, obwohl die Heizung voll eingeschaltet ist; das Appartement ist voll ausgekühlt. Km 63/63.

 

Freitag, 17. Jänner 14, Tag 2: Wüstenschlösser

Da um sechs Uhr 30 die Sonne aufgeht, haben wir unser Frühstück für sieben Uhr bestellt, früher wollte der Hotelbesitzer nicht. Um halb sieben bimmelt der Wecker, doch geht weder in den nächsten Minuten die Sonne auf, noch kommt um sieben das Frühstück. Es scheint so, als hätten wir unsere Uhren falsch gestellt. Wir schlafen also noch eine Stunde und um acht oder doch um sieben (?) kommt das Frühstück: Wurst, Ziegenkäse, Humus, Oliven, Sauergemüse, Fladenbrot. Mit der Zeit in Jordanien ist es so eine Sache: iPhone, GPS-Gerät, Internet und die Uhr an der Zapfsäule aller Tankstellen, an denen wir tanken werden (Normalbenzin kostet übrigens 0,90 Euro), sagen: zwei Stunden Zeitverschiebung zu Österreich. Aber die Uhren in Jordanien gehen anders: nur eine Stunde Zeitverschiebung. Obwohl Freitag ist, ist im Stadtzentrum reichlich Verkehr. Wir verlassen Amman nach Nordosten und besichtigen weitere Wüstenschlösser, zunächst Qasr el Hallabat. Das reichlich verfallene Schloss steht auf einer Anhöhe, davor befindet sich eine gut restaurierte kleine Moschee. Ein Hirte treibt eine Schafherde vorbei; die Tiere haben die Köpfe am Boden und kauen. Was allerdings, ist unklar, denn es gibt hier nur Steine. Nur wenige Kilometer entfernt befindet sich das Hammam es Sarah, ein Bad aus dem achten Jahrhundert. Auf der in den Irak führenden Hauptstraße geht es weiter, vorbei an einem Flüchtlingslager, in die Oase Azraq, wo wir ein weiteres Wüstenschloss besichtigen. Es ist aus schwarzem Basaltstein errichtet und beherbergt im Hof eine Moschee. Eindrucksvoll sind die Türen aus tonnenschweren Steinplatten, die sich von einer Person öffnen und schließen lassen. Das "Schloss", das uns am besten gefällt, ist das Qasr el Amra, das zum Großteil aus einem Bad mit Nebenräumen besteht. Die farbenkräftigen Fresken an Wänden und Decken sind zwar stark beschädigt, aber dennoch beeindruckend. Auffallend sind die vielen dargestellten Personen, wo doch der Islam bildliche Darstellungen eigentlich verbietet. Man hat es wohl im siebten Jahrhundert noch nicht so genau genommen mit den islamischen Regeln. Der Wächter des Bauwerkes hat eine Freude daran, uns mit dem Laserpointer auf nackte Frauen und Paare in eindeutigen Posen hinzuweisen. Zum Abschluss machen wir noch Halt am besterhaltenen Wüstenschloss, dem Qasr el Kharanah, einer Festung in der Wüste. Bei keinem der gestern und heute besuchten Sehenswürdigkeiten mussten wir Eintritt bezahlen, denn entweder war niemand anwesend, oder die Kassa geschlossen, oder man winkte uns weiter. Zurück in Amman nehmen wir ein sehr verspätetes Mittagessen ein, sehen uns dann das römische Theater an und fahren auf die Zitadelle, die leider schon geschlossen hat. Doch auch vom Parkplatz aus bietet sich ein grandioser Blick auf die auf mehreren Hügeln gelegene Stadt. Die Rückfahrt zum Hotel führt uns an der Hussein-Moschee vorbei, in deren großen Umkreis Volksfeststimmung herrscht. Nur langsam schiebt sich der Autoverkehr durch die Menschenmenge. Zurück im Appartement schalten wir interessehalber kurz den Fernseher ein. Wir können aus gut eintausend arabischen Fernsehsendern auswählen: Neben jordanischen Programmen gibt es Fernsehen aus Kuwait, Saudi-Arabien, den Emiraten, Yemen, Oman, Iran, Irak, Ägypten, Sudan, Libyen und und und ...  Km 328/391.

Samstag, 18. Jänner 14, Tag 3: Jerash, Ajlun, Pella

Der heutige Ausflug führt uns zunächst nach Jerash, wo wir das römische Gerasa besichtigen, eine ärchäologische Stätte erster Klasse! Durch das Hadrianstor, vorbei am Hippodrom und durch das etwas kleinere, aber sonst fast gleich wie das Hadrianstor aussehende Südtor betreten wir die Stadt. Gleich linker Hand befinden sich der Zeustempel und das gut erhaltene Südtheater. Von beiden Bauwerken hat man einen tollen Blick auf das Forum ovale, einen gepflasterten, etwa 100 Meter durchmessenden und mit Säulen gesäumten Hauptplatz. Von hier führt über 700 Meter die ebenfalls gepflasterte und säulenbestandene Hauptstraße, der Cardo maximus, zum Nordtor. Unter der Straße verläuft ein Abwasserkanal, erkennbar an den steinernen Kanaldeckeln im Pflaster. An den Kreuzungen mit zwei Querstraßen steht jeweils ein Tetrapylon, ein Turm mit vier Toren. Weitere beeindruckende Gebäude sind das Macellum (Marktplatz), die Basilika, Nympheum, Artemistempel und Nordtheater. Im Restaurant am Parkplatz essen wir im Freien zu Mittag, in der Sonne ist es angenehm warm. Der Restaurantbesitzer ist ein Österreich-Fan: Er hat ein Plakat mit österreichischen Sehenswürdigkeiten aufgehängt. In der Nähe von Ajlun fahren wir zu der auf einem Berg gelegenen Festung Qala'at ar Rabat hoch, von der man einen tollen Blick, bei klarem Wetter angeblich bis hinüber nach Israel, hat. Auf kurvenreicher Strecke geht es weiter nach Westen, ständig bergab, bis wir in 213 Meter unter dem Meeresspiegel und bei 22 Grad im Schatten das Jordantal erreichen. Das breite Tal ist grün und von vielen Glashäusern durchsetzt. Auf der Straße werden Tomaten, Gurken, Äpfel, Bananen und Zitrusfrüchte angeboten. Wir fahren nun den Jordan, der hier die Grenze zu Israel bildet, entlang bis Pella, einer  Ausgrabungsstätte im wahrsten Sinne des Wortes. Von der Terrasse eines Restaurants über den Ausgrabungen, wo wir Zitronensaft mit Minze trinken, haben wir einen tollen Überblick über die Reste von drei Basiliken. Der am besten erhaltenen Talbasilika statten wir einen kurzen Besuch ab. Vorbei an mehreren Beduinendörfern geht es über Jerash, wo wir in einem guten arabischen Restaurant vorzüglich Jordanfisch essen, zurück nach Amman. Km 203/594.

Sonntag, 19. Jänner 14, Tag 4: Abila, Umm Qays, Jordantal

Nach dem Frühstück, das wir übrigens immer aufs Zimmer serviert bekommen, fahren wir nochmals in den Norden: Etwa fünf Kilometer vor der syrischen Grenze befindet sich die an und für sich wenig bedeutende antike Stätte Abila. Ihr besonderer Reiz liegt darin, dass man auf Grund ihrer Lage abseits der Touristenströme die Atmosphäre der frei stehenden Säulen der Basilika ganz allein, ohne Ticketverkäufer, Wachpersonal, Führer, Souvenirverkäufer und andere Touristen genießen kann. Im Winkel zwischen Syrien und Israel, mit Blick auf die Golanhöhen und bei klarerem Wetter bis zum See Genezareth, liegt die Ausgrabungsstätte Umm Qays. Obwohl von enormer Ausdehnung - der Decumanus wurde auf eine Länge von über einem Kilometer freigelegt - empfinden wir die Stätte auf Grund des schlechten Erhaltungszustandes weit weniger beeindruckend als gestern Jerash. Wir fahren nun den Jordan entlang nach Süden, sehen dabei oftmals unweit der Straße kleine, aus fünf bis zehn Zelten bestehende Flüchtlingslager.

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