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Die Geschichte vom Zerberus |
210.000 Kilometer 850 Reisetage |
Die Geschichte beginnt Ende 2012: Zuvor waren wir mit einem Landcruiser von Österreich nach Kapstadt gefahren und hatten ihn auf dem Rückweg in Nairobi verkauft, weil durch die Kriege in Libyen und Syrien der Landweg zurück nach Europa versperrt war. Irgendwie war das Kapitel Afrika in unseren Köpfen abgehakt und wir hatten Platz für neue Ideen. Ein Haus in Griechenland war schon lange ein Traum von uns, aber dafür fühlten wir uns irgendwie noch zu jung. Vielleicht sollten wir zuvor noch mehr von der Welt sehen und uns Griechenland für die Pension aufheben. Ich erinnere mich noch gut: Susi und ich saßen in unserer Wohnküche und beschlossen, nachdem wir nun zehn Jahre in Afrika herumgereist waren, in den nächsten zehn Jahren mit einem Wohnmobil um die Welt zu fahren und dann zehn Jahre lang Frühling und Herbst in einem Häuschen in Griechenland zu verbringen. Sollte dann noch was vom Leben übrig sein, könnten wir ja neue Pläne machen.

Zunächst dachten wir an ein größeres Expeditionsmobil, vielleicht einen M.A.N. oder einen Unimog. Doch es wurde uns bewusst, dass man auf einer Weltreise auf dem Landweg, zwar nicht täglich, aber immer wieder einmal, sein Fahrzeug auf's Spiel setzt, indem man einen Fluß queren muss, eine schwierige Offroad-Strecke befährt oder einfach nur eine Waffe vor die Nase gehalten bekommt und einer sagt, das Fahrzeug gehört jetzt mir. Außerdem wollten wir in Etappen reisen und das Wohnmobil dazwischen abstellen und der Gedanke, dass bei unserer Rückkehr das Fahrzeug nicht mehr da sein könnte,ist so abwegig ja auch nicht. Wir wollten daher ein kleineres, unauffälligeres und vor allem weniger wertvolles Fernreisemobil anschaffen, daher natürlich ein gebrauchtes und kein neues.
2013 erstanden wir einen Mercedes-Benz Sprinter 318 CDI 4x4, Baujahr 2008 mit 178.000 Kilometern. Der Kastenwagen war zuvor als Liefer- und Montagewagen einer Firma für Heizungsanlagen unterwegs. Von der Fa. Buchegger in Dechantskirchen wurde der Umbau zum Expeditionsmobil nach unseren sehr speziellen Plänen durchgeführt: Wir wollten zum Beispiel keine Fenster im Wohnbereich, nur Dachluken, keine Nasszelle, keine übliche Wasserheizung, sondern energiesparende Anwärmung des Wassers durch den Auspuff und maximal große Tanks für Wasser und Diesel. Weitere Umbauten nahmen wir später selber vor: Schnorchel, Sandblechhalterung, 2. Reserveradhalterung.
Probefahrten: Korsika und Anatolien (2013)
Erste Probefahrten führen nach Korsika und kurz darauf nach Anatolien. Irgendwann meinen wir, unser Wohnmobil sollte einen Namen haben und von "Zederer", wie früher bei uns die Mercedes' umgangssprachlich genannt wurden, ist es nicht mehr so weit zum "Zerberus", dem Höllenhund.

Die Weltreise
1. Etappe: Österreich - - - Georgien - Armenien - Iran - Turkmenistan - Usbekistan - Tadschikistan - Kirgistan (2014)
Im April 2014 starten wir die Weltreise. In einer ersten Etappe geht es via Georgien und Armenien in den Iran, wo wir die alten persischen Städte wie Tabriz, Isfahan, Persepolis und Shiraz besuchen und die Wüsten Dasht-e Lut und Dasht-e Kavir durchqueren. Durch die Karakum-Wüste Turkmenistans gelangen wir nach Usbekistan, wo wir die an der Seidenstraße gelegenen alten Städte Chiwa, Buchara und Samarkand besuchen. Nach einem Abstecher an den Aral-See geht es über den Pamir-Highway, die in Tadschikistan gelegene, die Grenze zu Afghanistan entlang führende, zweithöchste befestigte Straße der Welt, die bis auf über 4.600 Meter Seehöhe führt. Der Sauerstoffmangel in dieser Höhe macht dem Zerberus sehr zu schaffen: Wir müssen Partikelfilter und Katalysator ausbauen, um das Gebirge überqueren zu können.

2. Etappe: Kirgistan - Kasachstan - Russland - Mongolei (2014)
Die zweite Etappe führt zunächst von Bishkek in Kirgisistan am Südufer des Issykul-Sees entlang durch das Tien-Shan-Gebirge. Vorbei am Sharyn-Canyon, dem Grand Canyon Zentralasiens, geht es nach Almaty, der größten Stadt Kasachstans und schließlich durch weite Steppen ins kasachische Altai. Um in die Mongolei zu gelangen, müssen wir Russland einen etwa 1.200 Kilometer langen Besuch abstatten, der uns bis in die sibirische Stadt Barnaul führt. In der Mongolei machen wir eine Runde durch das Altai-Gebirge und erreichen nach einer langen Fahrt durch die Steppen Ulan-Bator.

3. Etappe: Wüste Gobi (2014)
Die dritte Etappe sollte durch China und Tibet über den Himalaya nach Nepal führen, muss aber wegen eines riesigen Erdrutsches in Nepal, der die einzige Straßenverbindung von China nach Nepal unpassierbar macht, und einer Sperre Tibets für Ausländer verschoben werden. Da der Flug nach Ulan Bator bereits gebucht ist und wir unser Wohnmobil nicht hundertprozentig frostsicher gemacht haben, machen wir nun einen zweiwöchigen Ausflug in die Wüste Gobi.

4. Etappe: Mongolei - China - Nepal (2014)
Von Ulan Bator geht es an die chinesische Grenze bei Erenhot, wo wir unseren chinesischen Begleiter an Bord nehmen. An mehreren Stellen besichtigen wir die Chinesische Mauer, bevor wir zwei Tage in Peking verbringen. Die Ming-Gräber und natürlich die Terrakotta-Armee in Xi'an sind weitere Höhepunkte der Reise. Die Route führt nun entlang der Seidenstraße nach Dunhuang am Rand der chinesischen Gobi und über mehrere über 5.000 Meter hohe Pässe nach Tibet. Nach einem tollen Aufenthalt in Lhasa queren wir den Himalaya und besuchen dabei das Mount Everest Basislager. An der Grenze zu Nepal trennen wir uns von unserem Begleiter und starten eine kurze Rundreise durch Nepal, bevor wir den Zerberus in Kathmandu für zwei Monate abstellen.

5. Etappe: Nepal - Indien - Nepal (2015)
Varanasi, Agra, Delhi, Jaipur. Paläste, Mausoleen, Gärten. Wir geben uns die fantastischen Schätze Nord-Indiens. Ein irrer Verkehr, wie kaum wo auf der Welt, ein Unfall mit einem Motorradfahrer, ein weiterer Unfall mit tödlichem Ausgang, bei dem wir Zeuge werden, das alles zehrt an unseren Nerven.

6. Etappe: Nepal - Indien - Myanmar - Thailand (2015)
Gottseidank hat der Zerberus das verheerende Erdbeben in Nepal unbeschadet überstanden. Die sechste Etappe führt uns von Kathmandu in Nepal durch das krisengeschüttelte Terai in die Nordostprovinzen Indiens. In Assam werden wir Opfer eines nächtlichen Überfalls vierer Männer. Glücklicherweise geht die Sache halbwegs glimpflich aus. Wir durchqueren Myanmar, das ehemalige Burma (Birma), das man erst seit zwei Jahren mit eigenem, ausländischem Auto bereisen darf, und das auch nur auf höchst bürokratische Weise und mit mehreren Begleitern. Aus Kostengründen bilden wir einen Konvoi mit anderen Weltreisenden. Dann geht es in den Norden Thailands zu historischen Stätten und urwaldbewachsenen Bergen. Auf Grund eines gesundheitlichen Problems müssen wir in Chiang Mai unsere Etappe vorzeitig abbrechen und können nicht wie geplant bis Luang Prabang in Laos weiterfahren.

Wird fortgesetzt!